…von und mit rehwald

DIY – Fußsteigschlinge – eine Anleitung

Juni 11th, 2009 Posted in Allgemeines, DIY, Tools

Heute war Wetter. Ich meine ein Wetter, was einem sofort unter die Haut geht. Bei dem man spontan anfangen möchte eine Arche zu bauen.

Hat jemand mal ein Boot?

Hat jemand mal ein Boot?

Na gut, eine Arche habe ich nun nicht gebaut, aber eine Idee, die Night-Fly vor ein paar Tagen in seinem Blog vorstellte: eine selbstgebaute, in der Länge verstellbare Trittschlinge. So etwas wollte ich auch haben. Bisher habe ich mir mit Knoten in Reepschnüren beholfen. Leider war das nix wirklich praktisches. Mal kurz verstellen war definitiv nicht drin. Kürzen für Kletterer mit kürzeren Beinen ging mit Knoten zum Abbinden, aber auch das mehr Schlecht als Recht, da so die Länge nur sehr ungenau zu bestimmen ist.

Ausgangsmaterial

Ausgangsmaterial

Also musste eine bessere Lösung her. Ich liebäugelte schon mit käuflich zu erwerbenden Trittschlingen, die mit rund 30,-€ aber eigentlich schon weit jenseits eines akzeptablen Preises liegen. Da kam mir der Artikel von Night-Fly gerade recht.

Der vorbereitete Rohling

Der vorbereitete Rohling

Die Lösung besteht in einer Klemmlösung für eine Reepschnur. Ausgangsmaterial ist eine Unterlegscheibe mit etwas größeren Ausmaßen. Der Gesamtdurchmesser liegt bei etwa 55mm mit einer Kernlochbohrung von rund 15mm. Die Scheibe erhält für jede Fußschlinge 3 Bohrungen, so dass durch die Umlenkung der Schnur genug Reibungskraft aufgebaut wird um nicht zu verrutschen, sowie eine etwas größere Bohrung um die Scheibe mit einem Karabiner an der Handsteigklemme zu befestigen. Die Unterlegscheiben bestehen aus einer festen Aluminium-Legierung und ließen sich relativ leicht bearbeiten.

Loch an Loch

Loch an Loch

Als Reepschnur habe ich 6mm-Schnurr im Einsatz, daher habe ich für die Löcher einen 6,5mm Bohrer gewählt. Hierdurch wird dem Quellverhalten der Schnurr genüge getan. Eine 6mm Bohrung hatte sich leider als etwas zu klein herausgestellt, die Schnurr ließ sich kaum durchfädeln und verschieben. Für die Karabiner-Bohrung habe ich ein 12mm Bohrer genutz. Diese Größe passt genau zu dem Schraubglied, welches ich an der Handsteigklemme nutze. Entgraten nicht vergessen, sonst trennt ihr am Ende noch mit einer scharfen Kannte die Reepschur durch!

fertig gebohrt und geschliffen

fertig gebohrt und geschliffen

Auch wenn die Aluminium-Scheiben eigentlich nicht rosten, habe ich sie, der Optik halber, noch lackiert. Als Farbe habe ich ein mattes Schwarz gewählt. Das passt so schön zu meiner Handsteigklemme, die ebenfalls in Matt-Schwarz gehalten ist.

Vorsicht frische Farbe!

Vorsicht frische Farbe!

Das Ergebnis...

Das Ergebnis...

Nach dem die Farbe getrocknet ist, kommt der leichte Teil. Für die Fußschlaufen ist es sinnvoll, wenn sich diese nicht immer von alleine zusammenfalten, wärend man gerade versucht seinen Fuß dort hinein zu bugsieren. Eine Aussteifung der wiederspenstigen Leine muss also her. Sehr praktisch ist hierfür ein Stück Gartenschlauch. Etwa 20 cm reichen um eine schöne Schlaufe zu bilden. Alternativ kann auch ein kleines Holz-Trittbrett eingebaut werden, was dann eine Triangel-Form ergibt.

weiteres Material

weiteres Material

Nun müssen nur noch die Schnürre durch die Gartenschlauchstücke gefädelt und verknotet werden sowie das jeweils andere Ende durch die Lochplatte gefädelt werden. Fertig ist die doppelte, verstellbare, Fuß-/Tritt-Schlaufe.

eingefädelt und verknotet

eingefädelt und verknotet

Für die Befestigung an der Handsteigklemme hat sich ein Schraubglied bereits bestens bewährt. Dieses ist aus dem Kletterbereich und hat eine Festigkeit von 40kN. Ähnliche aus dem Baumarkt kommen auf 4kN, kosten dabei auch gerne mal das doppelte im Vergleich zum Schraubglied aus dem Kletterbereich(zumindest war das in den drei, deswegen von mir aufgesuchten Baumärkten bei uns der Fall).

zur Nutzung freigegeben

zur Nutzung freigegeben

Das neue Equipment musste natürlich gleich ausprobiert werden. Da es draußen immer noch schüttete (siehe erstes Bild), musste die bereits bewährte Treppe wieder herhalten 😉 .  Kaum war das Seil befestigt, kamen bereits die ersten Interessenten aus den Ecken gekrochen und wollten auch mal. Nun gut, dann aber richtig!  So wurde aus 2 Bandschlingen ein provisorischer Gurt gefertigt und das nötige Klettergerödel vollständig daran befestigt. Glücklicherweise ist die Treppe nicht allzu hoch, sonst hätten wir noch ein Problem gehabt, den der Aufstieg war schneller geschafft wie gedacht. Die Erkenntnis ist allerdings, dass selbstgebaute Gurte nichts taugen und ständig verrutschen und so eine Handsteigklemme verdammt groß und schwer für so kleine Händchen sind.

gekonnt nach oben...

Gekonnt nach oben...

Aber wer raufkommt, muss auch wieder runter. Und da das mit dem Weg nach oben schon so gut geklappt hat, musste auch der Rückweg entsprechend profesionell und eigenständig (natürlich nach entsprechender Einweisung und Überwachung) angetreten werden.

und auch wieder runter, ganz alleine

...und auch wieder runter. Ganz alleine!

Die Farbe ist übrigens nach dieser Trainingseinheit bereits zu einem Teil wieder ab. Einfache Sprühfarbe aus der Dose ist diesen Belastungen nicht ausreichend gewachsen. Man kann die Scheibe aber natürlich auch blank belassen.

Ich möchte mich noch einmal bei Night-Fly für die Inspiration bedanken und wünsche allen anderen viel Spaß beim Nachbauen.

PS: hat jemand nen Klettergurt für 4-jährige über 😉 .

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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 11. Juni 2009 um 23:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemeines, DIY, Tools abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

13 Responses to “DIY – Fußsteigschlinge – eine Anleitung”

  1. Christoph sagt:

    Was hälst Du von Eloxieren? Da gibt es kleine Bastelsets für den Heimgebrauch…

    Gruß
    Christoph

  2. Night-Fly sagt:

    na dann mal meinen glückwunsch zur umsetzung…
    hätte ja nicht gedacht, dass es so schnell geht, aber wie du schon schreibst, wenn das wetter nicht gut ist… 😛
    mich wundert nur, dass man sowas nicht schon vorher im netz gefunden hat.. gesucht hab ich zwar nicht, aber zufällig gesehen hab ich auch nix…

    aber warum hast du die löcher nicht mit nem 90° senker bearbeiten? oder kann man das nur nicht so gut erkennen?

    viel spaß noch mit der neuen trittschlinge…

    • rehwald sagt:

      Die Löcher sind natürlich entgratet, aber nicht gesenkt. Es ist durch die Farbe auf den Bildern kaum zu sehen, aber die Kannten sind leicht abgeschrägt (das Bild der fertig gebohrten war noch vor dem entgraten gemacht worden).

  3. Christian sagt:

    Mhm, also ich hab für meine Schlinge nur 15€ bezahlt, die ist allerdings auch nur einfach und nicht doppelt, aber basteln kann ja auch Spaß machen 🙂

  4. Von Petzl gibt es eine super Schlinge für 12€ – aber die ist nicht so schön wie eure selbstgebastelte! Macht Spaß anzusehen!

  5. rehwald sagt:

    Um genau zu sein, gibt es sogar doppelte Fussteigschlingen schon für 12,-€. Die lässt sich dann aber nicht besonders gut verstellen. Die genannten 30,-€ waren für entsprechende mittelpreisige Markenprodukte. Außerdem muss man sich seine Ersparnis ja irgendwie schönreden 😎 . Aber so habe ich den Nachmittag sinnvoll verbracht und außer ein paar Stunden hat es mich nix gekostet (wäre auch schneller gegangen, aber ich hatte ja Zeit).

  6. Oschn sagt:

    Ja, wenn man keine Klemmknoten binden kann, muss man halt Löcher in Unterlegscheiben bohren. 😉

    Wenn Herr Rehwald mal nach Stormarn kommt, zeige ich ihm gerne, wie er schnell und mit einfachsten Mitteln ein provisorisches Gurtzeug für die 4-Jährige herstellen kann (the military way). 😀

  7. Jan sagt:

    Klasse!! Toll gemacht – leider fehlt mir die Werkstatt. Solang muss halt, wenn’s ganz übel wird, die Schlinge in die Schnürsenkel gebunden werden…

  8. […] Woche stellte ich ja bereits die Entstehung meiner justierbaren Fußschlinge vor. Heute war ich wieder mal für einige Zeit in der Werkstatt […]

  9. -jha- sagt:

    Warum man beide Fußlängen unabhängig verstellen möchte ist mir nicht klar. Die Alternative wäre zwei unabhängige Trittschlingen und zwei Handsteigklemmen. Nur dass natürlich letztere an einem Einfachseil einander nicht überholen können. Aber dann könnte man ja eine deutlich tiefer positionieren und dem Bein damit mehr Arbeit verschaffen.

    Nein, das wäre dann natürlich kein Aufstieg mit Halbautomaten „eingebaut“, sondern „wie mit Croll, nur ohne Croll“ 😉

    BTW: Ein Cinch ist doch gar nicht zur Selbstsicherung und zum Abseilen freigegeben und hat doch gar keine CE-Kennzeichnung 😉

  10. rehwald sagt:

    @-jha- Das mit dem getrennten Einstellen ist eine reine Frage des Aufbaus und Geschmacks. Man kann natürlich auch die Lochzahl verringern oder man benutzt halt nicht alle vorhandenen Löcher und bindet nur einen Strang ein (der dann auf zwei Fusssteigschlingen verzweigt).

    BTW: ein Cinch kann keine CE-Kennzeichnung haben, da es keine Norm für Geräte dieser Art gibt (auch die klassische Abseilacht ist davon betroffen!). Da es aber keine Norm gibt, kann es auch keine Konformitätserklärung geben, die die Übereinstimmung mit dieser (nicht vorhandenen) Norm erklärt. Außerdem seile ich mich damit auch nicht wirklich ab, sondern sorge nur dafür, dass der Baum, an welchem ich hänge, nicht abhebt, während ich mich wieder nach unten bewege 😎 .

  11. -jha- sagt:

    @rehwald: Das mit dem Cinch, seinen Gebrauchs-Anordnungen und der fehlenden(?) CE-Kennzeichnung ist bei uns eine übliche Stichelei, wenn’s um ID (CE341), Eddy (CE0123), Sum (CE0120), Grigri (CE0197) und Cinch (ohne CE) geht. Und nein, ich habe selber einen Cinch und benutzte den auch.

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