…von und mit rehwald

Kommerzialisierungsproblematik in der Provinz

November 16th, 2009 Posted in Allgemeines

Schwerin würde ich nun ja nicht als Boom-Town bezeichnen. Es ist kein Ort am Puls der Zeit. Wie ganz Mecklenburg eigentlich auch, kommt hier eigentlich alles immer „100 Jahre später“. Das ist aufs Geocaching bezogen ein riesen Vorteil. Es gibt kaum Abstandsprobleme. Man kennt sich größtenteils unter den Cachern persönlich. Man hat kaum Probleme mit der „Heinzelfreien Zone“ und vor allem: es gab keinen Kommerz um die Dosen.

Doch mit genau dieser Beschaulichkeit ist es nun vorbei. Schwerin wurde aus dem von uns allen so geliebten kommerziellen Dornröschenschlaf geweckt. Auf Schwerin.com, der offiziellen Seite des Stadtmarketings wird für ein Komplettangebot geworben, welches neben dem üblichen Rahmenprogramm, wie Eintritt in verschiedene Einrichtungen (hier als PUR und KOMPAKT-Tour bezeichnet) unter anderem auch eine Kurzeinweisung, Leih-Geräte und ausgearbeitete Routen beinhaltet.  Von eigens ausgelegten Caches ist keine Rede. Es dürften hierfür wahrscheinlich vorhandene genutzt werden. Ich kenne da einige, die in Frage kämen und um die es verdammt schade wäre, bei einer Marketingaktion der Stadt verbrannt zu werden.

Meine Hoffnung ist eigentlich nur, dass sich niemand dafür interessieren wird und das Angebot schnell wieder in der Versenkung verschwindet. bis dahin heißt es für unsere Lokalen Cacher: aufgepasst. Vor allem die Caches in der Schweriner Innenstadt dürften betroffen sein. Vielleicht doch ein Grund mehr Aktivitäten ins Umland zu verlagern. oder Caches so aufwendig zu gestalten, dass diese für derartige Aktionen nicht in Frage kämen.

Eine brennende Frage hätte ich da aber doch noch: war oder ist etwa ein heimischer Cacher an der Ausarbeitung beteiligt? Und kann so etwas in akzeptable Bahnen gelenkt werden?

Andererseits, könnte die Stadt sich bei Cachern ja auch revanchieren und z.B. ermäßigten Eintritt in ihren Einrichtungen für Geocacher erheben. Ein wenig Kommunikation mit der lokalen Community hätte aber sicher nicht geschadet. Aber der Anstifter der Aktion ist die, in Cacherkreisen von einem gewissen Mega-Event in Essen bereits bekannte, Firma Sportfaktor. Sie hat das Konzept zu diesem Angebot geschneidert. Ich hoffe für das Stadtmarketing, dass dies nicht ebenso ein Beinahe-Katatstrophe wird wie für Garmin, die damals nur mit viel persönlichem Engagement und Intervention der Garmin-Mitarbeiter das Schlimmste verhindern konnten.

Wer es trotzdem buchen möchte: Angebotsseite Stadtmarketing Schwerin. Wer es lieber günstiger und vor allem individueller mag, sollte lieber eine der vielen Unterkünfte in Schwerin oder im Umland buchen und einfach mal nach Hilfe fragen, wenn schöne Caches oder Touren gesucht werden. Ich bin mir sicher, dass sich ein hilfsbereiter Cacher findet, der entsprechend Auskunft geben kann 😉 .

Update:

Zwischenzeitlich wurd mir aus einer ungenannt bleibender Quelle zugetragen, dass für diese Touren eigene Caches gelegt wurden. Diese sind auf keiner der üblichen Plattformen gelistet und sind eher als Stadtrundgang aufgebaut. Die Teilnehmer werden kurz in die Technik eingewiesen und sollen an Hand des überreichten Listings dann mittels der GPS-Empfänger die Stadt erkunden. Hierbei wird keiner der bereits in der Stadt liegenden Caches tangiert.

Hätte man aber auch so in die Beschreibung des Angebots schreiben können.

Update 2 (18.11.):

Die SVZ hat heute dazu einen Artikel herausgebracht: „Digitale Schatzsuche soll Touristen locken“ . Immerhin gibt es hier noch ein paar zusätzliche Infos zum ganzen Verfahren. So soll es mehrere Touren geben, die die Teilnehmer über unterschiedlich Interessante Wegpunkte zur Dose führen. Nebenbei sollen noch eine Menge anderer Informationen, wie historische Daten zu Sehenswürdigkeiten sowie Empfehlungen und Hinweise zur Gastronomie, Spielplätzen und auch öffentlichen Toiletten abgerufen werden können (ich nehme mal an, über entsprechende POIs in den Leihgeräten).  Sogar mehrtätige „Schatzsuchen“ sollen möglich sein.

In dem Artikel wird übrigens auch die sehr aktive Schweriner Cachergemeinde angesprochen (die nicht an der Aktion beteiligt war) und von deutschlandweit 60.000 aktiven Cachern gesprochen (ich denke, dass ist gnadenlos übertrieben).

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Der Beitrag wurde am Montag, den 16. November 2009 um 13:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemeines abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

11 Responses to “Kommerzialisierungsproblematik in der Provinz”

  1. Grauer Star sagt:

    Zum Update:

    Genau so ist das hier um Bingen auch. Es wurden nicht einmal Dosen gelegt. Das ganze sind mehr oder weniger geführte Rundgänge. Absolut harmlos und kein Problem für den vorhandenen Cache Bestand 🙂

    Grüße Heiko aka Grauer Star

  2. -jha- sagt:

    Gerade den Stadtmarketing in xyz könnte Garmin doch die WherEigos vermarkten. Schade, dass die Plattform irgendwie steckengeblieben ist.

  3. Pegasus37 sagt:

    …also nur noch Multis mit mindestens 5 Stationen und 5 km Weg oder Mysteries mit mindestens 3 Sternen. Und die bestehenden Tradis einsammeln.
    Ich hab ja nichts dagegen, wenn die Idee vermarktet wird, aber ohne eine Gegenleistung die gelegten Caches zu „verkaufen“ finde ich schon ein wenig abwegig.
    Wie auf den Bildern zu erkennen ist, haben sie ja wenigstens einige eigene gelegt, ob die aber jemals veröffentlicht werden?

  4. Pegasus37 sagt:

    Nachtrag:
    Wenn sie schon das Groundspeak-Logo verwenden wäre ja eine Veröffentlichung notwendig, sonst könnten sie erheblichen Ärger bekommen.

  5. mo-cacher sagt:

    Sowas haben wir für Papenburg Touristik 2005 mal angelegt. Sogar mit Tüddeldosen und einem Final als Mystery. Und sogar gelistet bei GC, so dass auch Geocacher mitmachen können. Aber das kann in Schwerin ja auch noch kommen, vielleicht eben nur später.

  6. rehwald sagt:

    Auf den Bildern ist immer die selbe Dose an unterschiedlichen Orten zu sehen. Außerdem glaube ich nicht, dass eine Dose direkt auf dem Anleger der Weißen Flotte Bestand hätte. Im Rahmen des Stadtmarketing und ohne Rücksicht auf Groundspeak-Gepflogenheiten nehmen zu müssen, könnte die Dose aber sicher auch im Wallenstein hinterlegt sein. Wäre zumindest ein schönes Ziel ;-). Und am alten Garten geht nichts was für Touri-Bespassung groß genug wäre. Das Museum gibt aber eine hübsche Station ab.

    Das Geocaching.com-Logo konnte ich im Übrigen nirgendwo entdecken.

    und um Touris abzuschrecken reicht es ja den D- oder den T-Wert so weit anzuheben (also nicht nur virtuell, sondern real), dass nicht ohne erweiterten Körper oder Hirn-Einsatz gearbeitet werden kann. Man könnte natürlich auch bewußt diese Clientel ansprechen und die Dosen so gestalten, dass diese trotzdem Überleben können.

  7. D-Buddi sagt:

    ich habe die gestern morgen mal angemailt und gefragt welche Dosen (gc.com oder eigene) denn genutzt werden, bisher keine Antwort… Es kam die Meldung wenn viel los ist könne es schon mal bis zu 5 Werktage dauern 8-( Wow, in Schwerin scheint ja die Hölle los zu sein 😎

  8. Pegasus37 sagt:

    So wie das heute in der Zeitung anklang, ist das ganze aber eher ein Projekt für WhereIGo. Das wäre, wenn sie denn richtig funktionieren würde, die Killerapplikation schlechthin für das Touri-durch-die-Stadt-scheuchen.

  9. rehwald sagt:

    Ich glaube, dass dort einfach POIs für verwendet werden. Läßt sich intuitiv nutzen one aufwendige Programme schreiben zu müssen. Die Touren selbst wird es als Wegpunkte auf dem Gerät (wenn überhaupt) und als Papierausdruck geben. Immerhin sollen die Geräte von städtischen Angestellten ausgegeben und eingewiesen werden. Wenn dann was damit ist, muss das auch vor Ort gelöst werden können. Und es ist nicht zuletzt immer auch eine Kostenfrage. Und die Pflege und Wartung von WhereIGo-Programmen kostet nun einmal und ist nicht von jedem machbar.

  10. Stralenwurm sagt:

    Hier unser geschreibe auf Dosenfischer.de::::
    Populär mag es ja geworden sein dieses Dosensuchen!!! Allerdings denken wir, dass es den Dosensuchern nicht um Popularität geht, sondern eigentlich nur um einen individuellen und einzigartigen Spaß. Schade, dass es Leute gibt, die einem diesen individuellen Spaß nehmen wollen und es als „NEUEN VOLKSSPORT“ betrachten. Danke an EUCH, dass ihr mithelft es uns allen zu versauen. Wenn sogar schon Radiosender missbraucht werden um seinen „Job“ und sich zu profilieren, hört der Spaß auf!!!!!! Wir hoffen, noch etwas Spaß zu haben, bevor es vorbei ist!!!!!!
    Grüße vom Team Stralenwurm (Hier mal ein Link vom ???? (Sandmann)???????)
    http://www.ndr1radiomv.de/programm/sendungen/kulturjournal/geocacher104_org-geocaching102_p-1.html

    • rehwald sagt:

      @Strahlenwurm: Das hat aber nix mit der in diesem Beitrag genannten Thematik zu tun. Es wird ja kein Gewinn mit erziehlt (zumindest nicht direkt vom Finder) und niemand wir auf fremde Dosen losgelassen. Auch finde ich es so besser, als die übliche Verfahrensweise. Normalerweise ist es ja so, dass ein Reporter/Schreiberling selbsternannte Geocaching-Profis befragt, seine Worte so lange durch den Wolf dreht, bis nix mehr mit dem Ursprungsbeitrag zu tun hat. Dann wird es möglichst spektakulär aufgehübscht um Quote zu erziehlen (siehe auch der Berühmte DPA-Artikel, der die NoPress-Aktion auslöste). Dies sind dann Artikel, die Geocacher in ein denkbar schlechtes Licht rücken. Es werden einzelne negative Punkte genommen, verallgemeinert und dann als Regel dargestellt. Nebenbei werden alle Geocacher über einen Kamm geschert und als Naturfeindliche, Pflanzen zertretende, Tiere verschreckende und Alles zerstörende Mitmenschen dargestellt. Meistens werden dafür absolute Anfänger hergenommen, die mangels vernünftiger Anleitung tatsächlich den ein oder anderen Fehler machen (wenn ich da an den Beitrag bei RTL mit Bibbi und Rolli am Montag denken muss, wird mir immer noch schlecht. Da können die beiden aber am wenigsten für).

      Der von dir genannte Beitrag ist das genaue Gegenteil. Es wurden extra Dosen gelegt, es wird vorsichtig auf die wichtigsten Grundregeln eingegangen und auch die Schlimmsten Irrtümer ausgeräumt (z.B. das die Dosen vergraben wären!). Wenn alle Artikel so aussähen, gäbe es 1. keinen Run sämtlicher Vollidioten auf die Dosen und 2. würden Geocacher nicht immer mehr als „Feind“ betrachtet werden.

      Von daher denke ich, ist der Beitrag ist eher ein Artikel Pro-Geocacher. Und wenn du meinst, nur ein nicht veröffentlichter Artikel ist ein guter, muss ich dich enttäuschen. Wenn keine guten Artikel geschrieben werden, füllen alle die nach Effekten und kurzfristigen Auflagensteigerungen heischenden Dilletanten die freien Plätze mit ihrem Schund (du weißt doch, Sex, Wut und Angst ziehen immer)



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